Wie ein Mutter-Tochter-Konflikt den Feminismus lahmlegt

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„Ich bin doch keine Feministin!“ Diesen Satz, in dem Abwehr und Entrüstung mitschwingt, hört man jetzt öfter.

FEMINISTIN. Es fühlt sich so anders an – das Wort. Irgendwie ist die Strahlkraft dahin. Mehr noch, das Wort hat Flecken bekommen. Diese Feministinnen. Sie sind hochgradig verdächtig. Man munkelt, sie wären frigide, männerhassende Hässlichkeiten. Kaum zu glauben, doch wer sich heute als Feministin outet, braucht tatsächlich wieder Mut.

Sprach man früher von Feministinnen, meinte man bewundernswerte Frauen, die für die rechtliche und soziale Gleichstellung der Frau gekämpft haben. Feministinnen, das waren doch diese starken, unerschrockenen Frauen, die so viel mehr als die eigene Ehe riskierten. Frauen, die für ihre Rechte auf die Straße gingen und ihre BHs verbrannten – als Akt der Befreiung. Feministinnen, das waren jene, die ein Umdenken in den Köpfen von Männern und Frauen eingeläutet hatten und denen wir Frauen so viel verdanken.

Junge Frauen lassen kein gutes Haar am Feminismus

Im Jahr 2015 sind die Assoziationen vielerorts andere. Gerade junge Frauen lassen kein gutes Haar am Feminismus. Mit Feminismus wollen sie nicht in Verbindung gebracht werden. Kund tun sie ihren Unmut im Netz unter dem Hashtag #womenagainstfeminism auf Tumblr und Facebook. Die mutmaßlichen Antifeministinnen halten dort Zettel in die Höhe oder vor die Brust. Es sind ihre ganz persönlichen Gründe, warum sie gegen Feminismus sind:

• Sie sind keine Opfer
• Sie lieben Männer
• Sie wollen nicht hassen
• Sie haben Spaß an Sex
• Sie bleiben gerne bei ihren Kindern zuhause
• Frauen und Männer sind gleich
• Frauen und Männer haben dieselben Rechte
• Männer sind nicht bösartig
• Sie mögen es, sich schön zu machen
• Sie fühlen sich von den „Altfeministinnen“ nicht repräsentiert

Diese Statements sollen Unabhängigkeit und selbstbewusstes Standing demonstrieren. Die jungen Frauen proklamieren, dass sie keine schutzbedürftigen Wesen sind, die besondere Unterstützung brauchen. Sie fühlen sich nicht rechtlos und empfinden feministische Forderungen nach Förderung oder Quoten als Armutszeugnis für ihr Geschlecht.

Und doch. Es schimmert Trotz durch. Diese jungen Frauen, sie ziehen ihre Stärke nicht aus echter Souveränität, sie schöpfen sie aus dem Widerstand. Was diese Statements tatsächlich zeigen, ist nicht Unabhängigkeit, sondern der sehnliche Wunsch danach.

Schlachtfeld Feminismus – Kampf zwischen „Müttern“ und „Töchtern“

Was hier passiert, mutet wie ein klassischer Mutter-Tochter-Konflikt an. Die „Töchter“ kämpfen um ihre Eigenständigkeit, um Selbstbehauptung. Die feministischen Überzeugungen der „Mütter“ werden von den „Töchtern“ als veraltet, einseitig und rigide erlebt. Die „Töchter“ fühlen sich von diesen nicht befreit, sondern bevormundet und eingeengt. In den persönlichen Statements scheint immer wieder die Angst der „Töchter“ durch, dass sie für den Feminismus ihre Weiblichkeit und sexuelle Attraktivität aufgeben müssen. Wie in der Pubertät, wenn die aufblühenden Mädchen mit Piercings, Tattoos, String Tangas und tiefen Ausschnitten ihren Müttern die Stirn bieten, beharren die jungen Frauen im Netz auf das Recht auf ihren eigenen Körper, ihre eigene Sexualität. Von Feministinnen, die in ihren Augen bestenfalls unsexy sind, wollen sie sich nicht die Männer madig machen lassen. Carolin Kebekus etwa, der man durchaus zutrauen würde, eine waschechte Feministin zu sein, bekundet im Magazin der Süddeutschen Zeitung , keine Feministin zu sein, weil das >>ungebumst<< klingt.

Die rosarote Brille der „Töchter“

Im ihrem Wunsch nach Autonomie tragen die jungen Frauen eine rosarote Brille, wenn es um das männliche Geschlecht geht. Ein  Problem für den Feminismus. Mitten im Abnabelungsprozess ist es den „Töchtern“ unmöglich, sich mit den „Müttern“ zu solidarisieren. Sie verbünden sich stattdessen mit den Männern. Das geht so weit, dass Männer idealisiert und deren wirtschaftliche und politische Vormachtstellung ausgeblendet oder als unproblematisch verstanden werden. Die positiven Erfahrungen mit dem eigenen Partner werden generalisiert und auf das Gesellschaftliche übertragen. Diese Haltung aufrechtzuerhalten funktioniert glänzend, weil viele „Töchter“ von Konflikten mit der männerdominierten Welt bisher verschont blieben. Dank der großartigen Vorarbeit ihrer „Mütter“ haben sie nicht das Gefühl, dass sie wegen ihres Geschlechts benachteiligt sind. Sie sehen das patriarchalische System nicht kritisch, denn noch fehlt ihnen die persönliche Erfahrung von krasser Diskriminierung.

In der Schule sind sie besser als die Jungen. Im Studium haben sie auch noch die Nase vorn. Sie sind noch keine Mütter, die Beruf und Familie vereinbaren müssen und noch keine Top-Mangerinnen, deren Köpfe an die Glasdecke stoßen. Ihr Leben hat nichts zu tun mit den verschleppten Mädchen in Nigeria, mit den in Indien vergewaltigten Frauen, mit den Mädchen, die in Pakistan nicht zur Schule gehen dürfen oder auf dem Weg dorthin ihr Leben riskieren. Es betrifft sie nicht persönlich, demnach fühlen sie keine Frauensolidarität, die über ein bestürztes Aufhorchen hinausgeht. Sie spüren die Not nicht am eigenen Leib, warum also kämpfen?

Altfeministinnen als böse Stiefmütter

Und die „Mütter“? Sie reagieren verschnupft. Manche schlimmer als das. Auf der Facebookseite der Antifeministinnen gibt es eine junge Frau, die nach ihrem Bekenntnis, gern für Männer sexuell attraktiv zu sein, mit Vergewaltigungs-Verwünschungen bedacht wurde. In so einem Fall erinnern die Altfeministinnen an die schrecklich böse Stiefmutter aus Schneewittchen. Eine Stiefmutter, die die aufblühende Schönheit und Unabhängigkeit der Tochter nicht ertragen kann. Diese „Mütter“, die in ihren Leben wirklich Großes geleistet haben, leiten aus ihrem Lebenswerk ab, es so viel besser als ihre „Töchter“ zu wissen – „schöner“ als sie zu sein. Sie machen den Fehler, den vor ihnen schon so viele gemacht haben und machen werden: Sie wollen ihren „Töchtern“ vorschreiben, wie es richtig geht, wie Feminismus richtig geht. Dabei halten sie an der alten Masche fest oder schwingen lärmend die Moralkeule. Sie verteufeln die Männer, polarisieren und sind damit weder zeitgemäß noch konstruktiv.

In ihrer Angst vor Bedeutungsverlust übersehen die „Mütter“, dass sich die Zeiten geändert haben. Vor 50 Jahren war ihre Radikalität unverzichtbar. Ohne unnachgiebige Forderungen und plakative Parolen wäre es dem Feminismus nicht gelungen, Frauen und Männer vor dem Gesetz gleichzustellen. Mittlerweile erweisen sich dogmatische oder effektheischende Ansichten jedoch als kontraproduktiv. Die jüngste Forderung  in der EMMA – eine Frauenquote fürs Cockpit – hat nicht umsonst zum Unmut der „Töchter“ in den Sozialen Netzwerken geführt. Sie schaden der guten Sache. Die altehrwürdige Bewegung F hat es versäumt, den Feminismus zu erneuern und den Nachwuchs mitzunehmen. Ihr Feminismus verliert so mehr und mehr an Glaubwürdigkeit.

Liebe ist die Lösung

Gibt es eine Lösung für den Konflikt zwischen den Altfeministinnen und den Antifeminstinnen? Theoretisch schon. Die Zauberworte lauten Reflexion, Kommunikation und vor allem Wertschätzung. Man könnte auch schlicht Liebe sagen. Es ist eigentlich so einfach: Jede „Tochter“ und jede „Mutter“ möchte verstanden, respektiert und wertgeschätzt werden. Wenn „Mütter“ und „Töchter“ erkennen können, welche Gefühle und Ängste sie jeweils leiten, öffnet sich der Weg zu konstruktiver Auseinandersetzung und zu gegenseitiger Anerkennung. Vielleicht werden sie dann bemerken, dass sie sich ziemlich ähnlich sind und vieles gemeinsam haben. Denn im Widerstand leisten und Aufbegehren sind alle gut. Kämpfen doch beide Seiten um ihre Rechte und ihre Freiheit – nur eben mit anderen Gegnern.

Die „Mütter“ müssen vorangehen

Und wie das Leben so spielt: Für eine Lösung müssen die „Mütter“ vorangehen. Es ist an ihnen, die Eigenständigkeit und die Besonderheit dieser Generation, die „Schönheit“ dieser „Töchter“ wahrzunehmen und sich daran zu erfreuen. Die Altfeministinnen müssen Platz machen für die jungen Frauen und ihnen zugleich mit all ihrer Erfahrung und Lebensweisheit zur Seite stehen. Wenn das gelingt, werden die „Töchter“ in der Lage sein, die große Leistung der „Mütter“ anzuerkennen und zu ehren. Und dann könnte das Wunderbare passieren: Die „Töchter“ werden durch den Rückhalt der „Mütter“ mit einer inneren Kraft ausgestattet sein, die sie für die Durchsetzung echter Gleichberechtigung dringend brauchen.

Auch sie brauchen Feminismus

Sollte die Lösung dieses Konflikts nicht gelingen, ist es für den Feminismus trotzdem nicht gelaufen. Es besteht ja weiterhin ordentlicher Bedarf. Er wird nur eine kleine Atempause machen müssen. Diese wird vorbei sein, wenn die jungen Frauen nicht mehr ganz jung sind, sondern abgelöst von ihren Müttern. Sie wird vorbei sein, wenn die Altfeministinnen gänzlich abgetreten sind. Sie wird vorbei sein, wenn die Antifeministinnen am eigenen Leibe erfahren haben, dass es doch noch Felder in unserer Gesellschaft gibt, die in Sachen Gleichberechtigung beackert werden müssen. Die Atempause wird vorbei sein, wenn die jetzt noch jungen Frauen erkannt haben: Auch sie brauchen Feminismus.

Und das letzte Wort dazu hat Katie Goodman: Sorry Babe, you´re a Feminist

Der Artikel ist am 28.4.2015 auch in der Huffington Post erschienen

18 Antworten auf „Wie ein Mutter-Tochter-Konflikt den Feminismus lahmlegt“

  1. Liebe Corinna,

    in deinem Beitrag hast du eine interessante These über das Verhältnis von Töchtern und Müttern in Bezug auf feministische Positionen entwickelt. Mir ist verständlich, dass junge Frauen ihre Identität und Geschlechtsrollenidentität nicht vor allem und schon gar nicht ausschließlich als Gegenposition zu „männliche“ Rollen definieren wollen sondern zuallererst als etwas „eigenes“, was ihrem eigenen Leben, ihren eigenen Werten und Überzeugungen entspricht. Trotzdem haben auch die Mütter mit ihren „feministischen“ Positionen recht, die darauf verweisen, dass die Entwicklung von Identität als „eigene“ Position bei den herrschenden Verhältnissen eine kritische oder sogar kämpferische Auseinandersetzung mit herrschenden Machtverhältnissen und den damit verbundenen Beschränkungen, Hindernissen, Ungerechtigkeiten erforderlich macht, die nach wie vor vorwiegend von Männern geprägt und beansprucht werden.
    So ist es nach wie vor so, dass die Wirtschaft, das politische Leben, die technische und technologische Entwicklung hinsichtlich ihrer Machtstrukturen weltweit nahezu ausschließlich von Männern entwickelt, geprägt und dominiert werden – trotz 100 Jahren Feminismus. Diese Entwicklungen und Verhältnisse beeinflussen das Leben aller Menschen, also nach wie vor grundlegend die Sozialisation von Frauen wie Männern. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen für das eigene, individuelle Leben treffen alle Frauen wie Männer, die keine Teilhabe an diesen Machtstrukturen haben, also gezwungen werden, sich diesen Machtverhältnissen zu unterwerfen.
    Alle diese Menschen müssten sich heute zusammen tun, quasi als Post-Feministen, um gegen die nach wie vor ungebrochene Männer-Oligarchie in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu kämpfen. Aber es sind eben nicht „die“ Männer an sich, sondern Männer, die strukturell, politisch und vor allem wirtschaftlich die Macht haben, beanspruchen und diese Privilegien nach wie vor mit allen ihren zur Verfügung stehenden Kräften – notfalls auch mit Gewalt – verteidigen.
    Eine solche Positionierung hätte mehr Sinn und könnte eine ideologische Zersplittterung einer Bewegung verhindern, die gebraucht wird, um sich gegen Gewalt, Ausbeutung, Totalitarismus, Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung von Kindern, Frauen und Männern in der Welt zur Wehr zu setzen.

    1. Lieber Andreas, ich danke dir fürs Lesen und Kommentieren.
      Du sprichst wichtige Punkte an: Es ist nicht die große Mehrheit der Männer, die knallharte Machtpolitik betreibt, sondern Männer (und manche Frauen) in entsprechenden Positionen. Und: Männer und Frauen leiden darunter. Die Idee, dass sich diese als Postfeministen zusammenschließen, klingt gut.
      Ich bin der Meinung, dass der Wandel zu echter Gleichberechtigung schon im Kindergartenalter oder noch früher beginnen muss. Skrupellose Politiker oder gierige Spitzenmanager sind nicht als diese auf die Welt gekommen. Ohne diese aus der Verantwortung entlassen zu wollen: Erziehung, Sozialisation, Medien und bestimmte Lebenserfahrungen haben die Bedingungen dafür geschaffen, dass diese Männer eine entsprechende Identität aufgebaut haben.
      Für echte Gleichberechtigung müsste sich das Männer- und Frauenbild in unserer Gesellschaft verändern. Der Grundstein dafür wird in der Erziehung gelegt. Deshalb sollte Erziehung ermöglichen, dass sich Jungen stark und potent erleben können, ohne dafür Macht oder Gewalt über andere ausüben zu müssen. Mädchen müssten lernen, dass sie stark sein dürfen, dass sie rivalisieren und mutig in die Welt gehen dürfen. Jungen wie Mädchen müssten lernen unangenehme Gefühle wie Hilflosigkeit und Traurigkeit auszuhalten und konstruktiv damit umzugehen.
      Und was jeder für sich tun kann, ist, in seinem direkten Umfeld, mit seinen Möglichkeiten Gleichberechtigung zu leben. Bleibt zu hoffen, dass wir immer mehr werden!

    1. Danke für Ihren Kommentar, maninthemiddle,
      ich habe ihn jetzt nicht veröffentlicht, weil Ihre E-Mail-Adresse nicht gültig war und ich anonyme Kommentare grundsätzlich nicht zulasse. Wenn Sie möchten, dass ich ihn freischalte, möchte ich Sie bitten, nochmals zu kommentieren. Bitte mit gültiger E-Mail-Adresse und auch ohne Links.
      Danke!

  2. Ihrem Eindruck, es würde heute (wieder) Mut erfordern, sich als Feministin zu bezeichnen, kann ich mich nicht anschließen. Wenn das so wäre, wie käme es dann, dass sich plötzlich prominente Frauen aus dem Show-Business als Feministin outen, wie Beyoncé Knowles, Lena Dunham oder Emma Watson? Wäre das wirklich so riskant, würden sie damit ja ihre Karriere gefährden, doch das Gegenteil ist der Fall: Sie werden dafür gefeiert. Feministin zu sein, ist im Mainstream angekommen.
    Gerade eine Beyoncé steht dafür, der man nun nicht gerade unterstellen würde, dass sie feministische Werte aus Überzeugung heraus vertritt: Sie gibt sich ja geradezu idealtypisch den gängigen – vom Feminismus kritisierten – Schönheitsidealen hin. Diese Verbindung sieht doch ehre nach Marketing-Strategie aus: Sie versucht ihr Image damit zu polieren. Und siehe da: Es funktioniert. Es kostet heute also weniger Mut denn je. Schauen Sie sich dagegen einmal die Berichterstattung an, wenn eine junge Frau es ablehnt, sich als Feministin zu bezeichnen. Mit ihrem Artikel stellen Sie sich in eine ganze Reihe kritischer Auseinandersetzungen mit diesen Frauen.

    Die Interpretation als Tochter-Mutter-Auseinandersetzung ist eine interessante. Der Gedanke ist mir so noch nirgendwo begegnet. Allerdings öffnen Sie damit ja auch eine Büchse der Pandora: Man könnte den gesamten Feminismus als eine Tochter-Vater-Auseinandersetzung lesen.
    Zudem lassen Sie außer Acht, dass es ja sehr wohl auch in der Generation der 20 – 30-jährigen Feministinnen gibt, die offensiv feministische Positionen vertreten. Ich denke da in Deutschland an Leute wie Anne Wizorek oder Jasna Strick, international beispielsweise Jessica Valenti oder die schon erwähnte Lena Dunham. Von Femen und dem Twitter- und Tumblr-Feminismus ganz zu schweigen. Es gibt unglaublich viel „jungen“ feministischen Aktivismus.
    Ich weiß nicht, ob Sie den nicht sehen, oder ob der Ihnen nicht in die Argumentation gepasst hat. Jedenfalls halte ich es für falsch, diesen aus der Analyse herauszuhalten, wenn es darum geht, warum sich viele junge Frauen kritisch mit dem Feminismus auseinandersetzen. Denn allein schon die Art und Weise, wie die „Women against feminism“ sich kritisch mit dem Feminismus auseinandersetzen (die von Ihnen angeführte Foto-Kampagne) stellt doch einen direkten Bezug auf den Twitter-Feminismus her, aber überhaupt keinen zum Feminismus der zweiten Welle.

    1. Danke für Ihren Kommentar, Johannes. Sicher gibt es gute Gegenbeispiele für Frauen, die sich frei zum Feminismus bekennen oder sogar dafür offensiv kämpfen. Sie anzuführen wäre der Vollständigkeit halber gut gewesen, hier war es mir aber wichtiger, den Fokus zu wahren. Dank Ihres Kommentars wird das jetzt nachgeholt!
      Ich bleibe dabei, m. E. hat der Ruf des Feminismus durch das krampfhafte Anhaften an extremen und liebesfeindlichen Positionen Schaden genommen und wird so von vielen jungen Frauen unserer Gesellschaft reflexhaft abgelehnt. Das erlebe ich nicht nur im Netz, sondern auch im persönlichen Kontakt immer wieder. Dazu gibt es keine Statistiken, gefühlt sind diese aber in der Überzahl und bestimmen die Lage des Feminismus mit. Denn ein wirksamer Feminismus braucht eben nicht nur charismatische Akteurinnen sondern auch großen Rückhalt bei den weniger politischen Geschlechtsgenossinnen.
      Um die jungen Feministinnen, allen voran Emma Watson mit ihrer HeforShe-Kampagne oder Laurie Penny, die ganz wichtige Aspekte in die Debatte miteinbringt, geht es in diesem Post nicht – denn sie haben diesen Konflikt nicht bzw. haben sie ihn durch eine eigenständige Interpretation des Feminismus für sich gelöst. Um im Bild zu bleiben: Ihnen ist die Ablösung von den „Müttern“ gelungen. Mir ging es hier speziell um die erklärten jungen Antifeministinnen und ihren Konflikt, den sie mit den Altfeministinnen haben. Es sind sie, die ich mit „Töchter“ meine.
      Und ja, in Sachen Feminismus schwingt auch sicher eine Vater-Tochter-Thematik mit. Vielleicht schreibe ich darüber beim nächsten Mal 😉

      1. Die Argumentation setzt ja zweierlei voraus:

        1. Das Phänomen ist neu. Wenn es eine Auseinandersetzung der Töchter mit den Müttern ist, dann muss es ja neu sein, weil es eine derart breite feministische Bewegung wie in der Generation der Mütter nie zuvor gegeben hat.
        Aber stimmt das denn? Waren nicht auch in den 1970er Jahren die erklärten Feministinnen nur eine kleine – wenn auch sehr einflussreiche – Gruppe? Waren nicht auch damals die meisten Frauen dem Mainstream-Feminismus gegenüber gleichgültig oder skeptisch? (Und das auch in intellektuellen Kreisen, siehe bspw. Esther Villar.)
        Wenn ja, warum sollte das dann heute nicht aus den selben Gründen so sein, wie damals? Warum ist das heute nur als eine Tochter-Mutter-Auseinandersetzung zu verstehen, gibt es nicht auch andere Gründe?

        Vielleicht ist die Auseinandersetzung, der Widerspruch gegenüber den Müttern – also die Emanzipation von den Müttern – auch etwas sehr gesundes. Oder anders gefragt: Wie kommen Sie darauf, die Töchter würden falsch liegen? Ist es nicht auch möglich, dass die Mütter falsch lagen, und die Töchter das erkannt haben? Oder: Muss überhaupt eine falsch liegen? Die Zeiten haben sich schließlich geändert, und was früher richtig war, ist es heute vielleicht nicht mehr!

        2. Es handelt sich bei den heutigen Feminismuskritikerinnen um die Töchter von Feministinnen. Wenn es tatsächlich eine psychologische Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft (also der Mutter) ist, dann müsste es ja auch die eigene Mutter sein, mit der sie sich auseinandersetzen.
        Aber ist denn das so? Waren denn deren Mütter feministische Aktivistinnen? Ich bezweifle, dass sich das belegen lässt. Ich vermute eher, dass die Töchter der Mütter-Feministinnen selbst feministisch geprägt sind, aber auch das ist nur Spekulation. Einen Beleg dafür führen Sie ja nicht an.

        Was außerdem außen vor geblieben ist, ist, dass der heute wirksame Feminismus, der Dritte-Welle-Feminismus, ein ganz anderer ist als der Zweite-Welle-Feminismus der Mütter. Und die Auseinandersetzung der Feminismuskritikerinnen bezieht sich eben nicht auf den Zweite-Welle-Feminismus der Mütter, sondern auf den heute wirksamen Feminismus der Dritten Welle. Dazu ist zu bedenken, dass auch einige Feministinnen der Zweiten Welle (ich denke da bspw. an eine Cathy Young oder eine Christina Hoff Sommers) sich selbst sehr kritisch mit der Dritten Welle auseinandersetzen.

        Insgesamt ist mein Eindruck: Ja, die Tochter-Mutter-Dimension ist ein interessanter Gedanke. Und ich denke, das könnte auch eine kleine Rolle spielen.
        Aber zum einen erkenne ich die Tochter-Mutter-Verbindung nicht, die dafür konstitutiv wäre; und zwar weder, was die konkrete familiäre Verbindung angeht, noch, was die Themen angeht, mit denen sie sich auseinandersetzen, noch, was die Methoden angeht (s. „I don’t need feminism“-Kampagne auf Twitter u.ä.).

        Und zum anderen scheint es mir hier vor allem um ein weit verbreitetes Unverständnis für den Dritte-Welle-Feminismus zu gehen. Der wirkt auf viele Leute – egal ob nun Männer oder Frauen, Töchter oder Mütter, Söhne oder Väter – mehr wie eine tendenziell totalitäre Ideologie als wie eine Bewegung für Gleichberechtigung. Auch meine eigene – eigentlich feministische – Mutter hat sich vom Feminismus abgewandt, weil ihr das zu radikal und zu verrückt ist. So etwas lässt sich nicht mit Tochter-Mutter-Konflikt erklären.
        Dagegen scheint eigentlich niemand – auch nicht die Töchter – irgendein Problem mit den Errungenschaften der Zweiten Welle zu haben. Im Gegenteil, die sind uns heute so selbstverständlich, dass wir die Kämpfe der Mütter nur noch historisch nachvollziehen können, so selbstverständlich und emotionslos, wie wir auch den Kampf für Wahlrecht und Demokratie heute als historische Tatsache hinnehmen.
        Die Mütter haben das doch sehr gut gemacht! Sie haben das Ziel weitgehend erreicht. Den Frauen stehen heute alle Türen offen. Das heißt natürlich nicht, dass sie auch durch alle Türen gehen können, und das scheint mir der springende Punkt zu sein.

        Die Feminismuskritikerinnen haben erkannt, dass sie zwar durch jede Tür gehen können, aber eine Entscheidung für die eine Tür immer auch eine Entscheidung gegen eine andere ist. Es ist ohne weiteres möglich, Karriere zu machen, viel Geld zu verdienen usw. Die Belege sind klar, Frauen unter 30 ohne Kinder verdienen durchschnittlich mehr als Männer unter 30, und von den unter 30-jährigen sprechen wir ja hier.
        Will ich aber Kinder, dann ist das eine andere Tür, und dann schließt sich die Karrieretür – dann ist eine bruchlose Erwerbskarriere kaum mehr möglich.
        Was der heutige Feminismus versucht, ist, den Frauen zu ermöglichen, gleichzeitig durch entgegengesetzte Türen zu gehen. Das ist zum Scheitern verurteilt.

        Das Problem haben Männer so nicht. Aber sie haben dafür ein anderes Problem, das Frauen wiederum nicht haben. Ich persönlich wäre sehr dafür, das Patriarchat abzuschaffen, denn ich würde liebend gerne sagen: Ich brauche kein großes Einkommen. Ich würde gerne eine akademische Karriere einschlagen, eine hoch prekäre Angelegenheit. Bis 40 lässt sich da mit Stipendien und Lehraufträgen mal gerade genug Geld zum eigenen Überleben verdienen. Immer mit befristeten Verträgen und dem ständigen Risiko, nicht verlängert zu werden.

        Das kann ich auch so machen. Das Problem ist nur: Damit würde sich für mich auch eine Tür schließen. Familie wäre dann kaum drin, denn von mir als Mann wird erwartet, dass ich mich im Beruf reinhaue und genug Geld erwirtschafte, um die auch zu finanzieren. Familie ist ja ’ne kostspielige Angelegenheit. Für Männer heißt es also auch: Entweder oder. Entweder den Geldjob + Familie oder Selbstverwirklichung ohne Familie. Eine Frau zu finden, die sagt: Mach ruhig, ich verdiene genug für uns und gehe auch gerne direkt nach der Geburt wieder arbeiten, ist wie ein Sechser im Lotto. Habe ich noch nicht kennengelernt.

        Also heißt es: Scheiß drauf, suche ich mir halt einen besser bezahlten aber uninteressanteren Job, Familie ist mir wichtiger.

        So ist das Leben. Man muss sich entscheiden, es geht nicht alles auf einmal. Das gilt für Männer genau so wie für Frauen. Wer aber immer noch mit der ollen Kamelle vom „Patriarchat“ daherkommt und alles Übel bei den Männern sucht, der macht es sich doch sehr einfach und weigert sich, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und ich habe den Eindruck, das sehen die von Ihnen beschriebenen jungen Frauen so. Die haben erkannt, dass sie zwar alles, aber nicht jedes haben können und dass das auch nicht ungerecht, sondern ein ganz natürliches Problem ist, das alle Menschen haben.

        So, das war jetzt zeimlich lang, aber ich hoffe: nicht zu lang.

        1. Lieber Johannes, danke für Ihre ausführliche und differenzierte Reflexion. Ich konnte bei einer ganzen Reihe von Punkten mitschwingen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich nicht auf alle eingehen kann.
          Zum besserem Verständnis meiner These „Mutter-Tochter-Konflikt“: Um mit der feministischen Haltung der Altfeministinnen zu hadern, muss eine „Tochter“ keine feministische Mutter haben. Vielmehr wird der Konflikt mit der eigenen Mutter stellvertretend mit den Altfeministinnen ausgetragen. Die „Töchter“ übertragen ihre Befürchtungen und das ist gar nicht ungewöhnlich, sondern ganz typisch für uns Menschen. Und natürlich ist dies mein persönlicher Blickwinkel, also nur eine Form der Deutung, um die heutige Lage des Feminismus zu verstehen.
          Und zum Punkt „falsch liegen“. Ich finde das gar nicht wichtig. Es geht nicht um falsch und richtig, es geht um Gefühle. Mit Offenheit und Respekt wird man in den Positionen von „Töchtern“ und „Müttern“ Wahrheit finden. Im jeweiligen Beharren auf die alleinige Deutungshoheit, zeigt sich doch nur der große Wunsch gesehen und ernst genommen zu werden.
          Und noch ein letztes: Mich überrascht, dass sich durch meinen Artikel besonders Männer aufgefordert fühlen, sich damit auseinanderzusetzen. Für mich wird dadurch spürbar, dass der Feminismus eben auch stark am männlichen Selbstverständnis gerührt, vielleicht auch gezerrt hat. Und Sie zeigen ja sehr anschaulich, wie schwierig es auch als Mann heute ist, Gleichberechtigung zu leben, z. B. wenn man Familie haben möchte. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich will mich allerdings nicht damit abfinden, dass das Leben nun mal so ist, sondern sehe stattdessen noch sehr viel Arbeit vor uns. Und wie schön wäre es, wenn Männer und Frauen diese Arbeit gemeinsam bewältigen würden.

          1. Ich finde Ihre Anmerkungen echt spannend! Selten hat mich eine Online-Diskussion so zum Nachdenken angeregt.

            Dass sich gerade Männer von diesen Debatten angesprochen fühlen, ist mir auch schon aufgefallen. Vor einem Jahr war ich mal bei einem Feminismus-Seminar der Jusos, auch dort waren 80% der Teilnehmer männlich.
            Vielleicht lässt sich Ihre Hypothese des Tochter-Mutter-Konflikts darauf übertragen: Vielleicht geht es da auch um einen Sohn-Vater- oder auch einen Sohn-Mutter-Konflikt. Wenn ich mein eigenes Interesse an dem Thema mal unter dem Lichte betrachte, fallen mir zumindest einige Punkte auf.

            Sie sprechen davon, der Feminismus würde am männlichen Selbstverständnis rühren. Nun, für mich selbst kann ich sagen: Da gab es nichts, woran er hätte rühren können. Ich bin von vornherein in einem feministischen Umfeld aufgewachsen, für mich sind starke Frauen eine Selbstverständlichkeit, immer gewesen. Ein männliches Selbstverständnis habe ich gar nicht erst entwickelt, da meine Mutter alleinerziehend und der Vater abwesend war, der Opa früh starb und ich auch bis zur sechsten Klasse nur weibliche Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen hatte.

            Wie Sie vielleicht schon erahnen können, führt aber auch das zu Problemen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer in diesen Kreisen grundsätzlich als überflüssig angesehen, ja entwertet wurden. Zwar nicht von jeder, aber entsprechende Aussagen blieben doch zumindest unwidersprochen im Raume stehen. Wenn man so will, habe ich durch diese Prägung also ein allenfalls negatives männliches Selbstverständnis entwickelt.
            Irgendwann merkt man dann natürlich, dass auch das nicht das Wahre ist, und an dem Punkt begann ich mich dann auch mit dem Feminismus kritisch auseinanderzusetzen. Weil er sich auf mein eigenes Leben durchaus negativ ausgewirkt hatte. Diese Frauen hatten sich von ihren Männern, Vätern usw. emanzipiert, dabei aber verständlicherweise überkompensiert und ein negatives Männerbild entwickelt, das sie auf ihre Söhne, Schüler usw. übertragen haben, die wiederum damit schwer zu kämpfen haben.

            Allgemein scheint mir die Machtposition der Mutter ein blinder Fleck des Feminismus zu sein. Man findet dazu sehr wenig Literatur.

            Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieser Aspekt bei vielen jungen Leuten – Frauen und Männern – eine Rolle spielt, wenn sie „dem Feminismus“ kritisch begegnen. Also, ja: Ein spannender Gedanke.

          2. Lieber Johannes,
            das freut mich sehr, dass Sie aus unserem Dialog Gedankenanstöße mitgenommen haben. Genau das ist mir als Bloggerin wichtig.
            Die Aspekte, die Sie jetzt angesprochen haben, finde ich auch nochmal hochinteressant für die Feminismus-Debatte. Dass ein Feminismus-Seminar zum größten Teil von Männern besucht wird, muss tiefliegende Gründe haben. Es könnte uns weiterbringen, diese zu verstehen. Vielleicht ist einer davon das von Ihnen beschriebene negative Männerbild, das manche Feministinnen an ihre Söhne weitergeben. In diesem Fall hätten wir tatsächlich einen Mutter-Sohn-Konflikt. Solange Männer in diesem gefangen sind, wird es ihnen verständlicherweise schwer fallen, der feministischen Idee vorurteilsfrei zu begegnen.
            Das Phänomen des Feminismus ist auf jeden Fall ein äußerst komplexes und die psychologische Dimension sollte in der Debatte nicht vernachlässigt werden. Ich bin gespannt wie es weitergeht.

          3. Was ich in meinem universitären Umfeld bemerke, ist, dass die meisten Leute – egal ob nun Männer oder Frauen – recht gleichgültig sind, was die Geschlechterverhältnisse angeht. Es gibt aber – und zwar etwa ausgewogen auf männlicher wie weiblicher Seite – einige Leute, die extrem profeministisch, und einige, die stark antifeministisch sind. Gemäßigte Positionen findet man so gut wie gar nicht, genauso wenig wie Bereitschaft zur Selbstkritik. Ein Dialog fällt so natürlich schwer, insofern weiß ich diese Diskussion hier ziemlich zu schätzen.

            Wenn ich sehe, wie auf Facebook o.ä. manche „Antifeministen“ diskutieren, dann stellen sich mir die Nackenhaare auf. Das ist teilweise dermaßen dumm, uninformiert, grob beleidigend, dass ich nachvollziehen kann, wieso es Leuten wie Thomas Gesterkamp oder Robert Claus gelingen kann, Feminismuskritiker pauschal als rechts abzustempeln, was bei genauerer Betrachtung natürlich Unfug ist. Das hilft auch nicht weiter, denke ich, es ist ein Totschlagargument. Wir brauchen im Gegenteil eine offene Debatte.

            Und ich denke, wenn das Ziel Gleichberechtigung sein soll, dann brauchen wir unbedingt auch in der Geschlechterdebatte eine gleichberechtigte Stimme für Männer und ihre spezifischen Erfahrungen, Ängste, Problemlagen. Der Feminismus hat es Frauen ermöglicht, über diese Dinge aus ihrer Perspektive zu sprechen, und dieses Verdienst kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

            Ich würde gar nicht mal sagen, dass meine Erfahrungen, die ich geschildert habe, Ausdruck von Vorurteilen sind. Das sind ja reale Lebenserfahrungen, die reale Probleme zeitigen. Ich würde sagen, es ist eine andere Perspektive auf (nicht intendierte?) Handlungsfolgen.

            Jede Weltanschauung kann ja aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Der Konservatismus hat den Vorteil, dass er den Menschen Sicherheit bietet: Wenn alles so gemacht werden soll, wie es schon immer gemacht wurde, weiß jeder, was er zu tun hat und welche Folgen das haben wird. Er hat den Nachteil, dass Leute, deren Lebensweise im entsprechenden System nicht vorgesehen ist, ausgegrenzt werden.
            Der Liberalismus hat den Vorteil, dass er Leuten Freiheit bietet, auch die Freiheit, alternative Lebensformen zu leben und sich auszuprobieren. Er hat den Nachteil, dass der soziale Zusammenhalt schwindet, Menschen (z.B. im Alter) vereinsamen und Leute, die es nicht (mehr) schaffen, für sich selbst zu sorgen, auf den Sozialstaat angewiesen sind.
            Der Sozialismus hat (idealerweise) den Vorteil, dass die Menschen als gleich(-wertig) angesehen werden, individuelle Leistungsbereitschaft aber nicht anerkannt wird.

            Ein gutes Ziel haben all diese Bewegungen. Indem sie es auf unterschiedliche Weise zu erreichen versuchen, vernachlässigen sie aber andere wichtige Aspekte. Warum sollte die Medaille Feminismus nur eine Seite haben? Das erscheint mir schon logisch unwahrscheinlich. Für mich steckt darin die Erkenntnis, dass alle Sichtweisen ihr Gutes haben, aber mit Mäßigung geübt und immer wieder hinterfragt werden müssen.

  3. Ihr Kommentar macht einen wesentlichen Fehler. Schauen sie doch mal was sie selbst als Grund schreiben warum diese Menschen ein Problem mit Feminismus haben:
    • Sie lieben Männer
    • Sie wollen nicht hassen

    Ihre Antwort darauf? Sie werfen diesen Menschen eine rosarote Brille vor. Männer sind doch eigentlich irgendwie schlecht, in ihrer männerdominierten Welt.
    Und damit bestätigen sie direkt Vorwürfe gegenüber Feminismus. Übrigens auch von älteren Menschen. Auf dieser Basis Werbung für mehr Akzeptanz der Bewegung zu machen wird scheitern. Im Gegenteil, Sie bestätigen letztendlich nur die geübte Kritik. Solange das bei feministischen Vertretern ankommt, wird die Zahl der Leute die sich damit assoziieren wollen sinken. Und die verbleibenden sich immer weiter radikalisieren, was letztendlich die fehlende Akzeptanz verstärkt. Das Feindbild Mann wird in den nächsten 20 Jahren sterben, und wenn sich der Feminismus daran klammert, wird er mit diesem untergehen.

    1. Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren, Tobias. Ich finde es interessant, wie Sie den Post verstanden haben. Denn ich bin nicht der Meinung, dass Männer „irgendwie schlecht“ sind, wie Sie es vermuten. Ich wollte zeigen, wie junge Frauen ausblenden, dass die Vormachtstellung der Männer in Politik und Wirtschaft auch für ihr Leben ein Problem sein könnte und dass sie in dieser Hinsicht eine rosarote Brille tragen.
      War ich mir persönlich wünsche, ist echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Dass wir noch nicht soweit sind, liegt in meinen Augen an Männern und Frauen und wie wir alle sozialisiert wurden. Beide Geschlechter tragen – ohne böse Absicht – dazu bei, dass die Situation ist wie sie ist – nämlich verbesserungswürdig. Dabei spielen Ängste auf beiden Seiten eine große Rolle – einen kleinen Ausschnitt habe ich hier gezeigt. Der Weg zu echter Gleichberechtigung geht daher über das Verstehen und über gegenseitige Wertschätzung. Männer sind anders als Frauen. Frauen anders als Männer. Jedes Geschlecht hat sein Stärken und Schwächen und letztlich ergänzen wir uns. Deshalb werden wir auch nur miteinander und gleichberechtigt eine Gesellschaft gestalten können, in der jeder zufrieden und frei leben kann. Daher ich gebe Ihnen voll und ganz Recht, Feindbilder nutzen niemanden – auch nicht dem Feminismus.

      1. Ich kann natürlich immer nur beurteilen was Sie schreiben, und weniger was Sie denken.

        Aber stellen Sie sich mal auf die Position einer jungen Frau, die denkt „Männer und Frauen sind gleich toll“.
        Wenn sie ihr jetzt sagen, sie würde „Männer idealisieren“ heißt das nunmal implizit das diese nicht so toll wären wie sie denkt. Und damit, als logische Konsequenz schlechter als Frauen. Diese Aussage mag nicht in Ihrer Absicht liegen, aber sie ist eine plausible Schulussfolgerung aus dem was Sie schreiben. Und als Konsequenz wird dann halt gesagt „daran mag ich keinen Anteil haben“.

        Auch andere Kritiken am Feminismus spiegeln sich meiner Meinung nach in Ihrem Beitrag wieder, aber da einzeln durchzugehen wird wohl nicht sonderlich zielführend sein.

        Abschließen will ich den Beitrag (umschrieben mit eigenen Worten) mit der Aussage einer jungen Frau:
        „Ich bezeichne mich als Feministen, weil ich als Frau Schwierigkeiten haben die mich speziell als Frau betreffen. Das heißt nicht das Männer keine eigene Schwierigkeiten haben, aber als Frau habe ich da keine Erfahrungen und kann wenig dazu sagen. Deswegen kümmere ich mich um meine Interessen und Sorgen.“
        Diese Aussage hat Zustimmung von selbst-erklärten „Anti-Feministen“ erhalten: „So sollte Feminismus sein.“ Hätten Sie das erwartet?

        Ich versuche hier wirklich vorallem nur eine andere Position zu erklären und für ein besseres Verständnis zu sorgen.

        1. Lieber Tobias, mit der Kommunikation ist das so eine Sache, gerade im Netz kommt es schnell zu Missverständnissen. Gut, dass wir uns hier miteinander darüber austauschen. Meiner Erfahrung nach ist es so, dass die eigene Erwartungshaltung, die Interpretation eines Textes beeinflusst. Für Sender und Empfänger können dieselben Nachrichten daher ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. D. h. wir Menschen picken uns gern das aus Informationen heraus, was in unser Weltbild passt und unsere Meinung bestätigt und blenden anderes dafür aus. So wird jede junge Frau meinen Text mit anderen Augen lesen, jede vor dem Hintergrund ihrer ganz persönlichen Erfahrungen. Was ich mir als Bloggerin wünsche, ist, dass meine Texte Gedankenanstöße und Anlass zur Selbstreflexion geben. Menschen, die für sich prüfen, ob meine Sicht für sie passt oder auch nicht, bleiben bei sich und in der Selbstverantwortung und das ist doch gut! Diese Eigenverantwortlichkeit sehe ich übrigens auch in der Selbstaussage der von Ihnen beschriebenen jungen Frau.
          Sehen Sie zur Ergänzung dieser Zeilen bitte auch die Antworten, die ich anderen Usern gegeben habe.

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